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Wallraffs Blick hinter die Gardinen

Er war Hans Esser bei der „Bild“ und erlebte als Ali, was es bedeutet, ganz unten zu sein: Günter Wallraff, investigativer Journalist und Verwandlungskünstler. Ab morgen ist er im Film „Schwarz auf Weiß“ in den Kinos zu sehen. 14 Monate lang tourte Wallraff in der Rolle eines Schwarzen durch Deutschland und bekam Fremdenfeindlichkeit in all ihren Facetten zu spüren.

Vorab schrieb er in der ZEIT, was es bedeutet, „in fremder Haut“ zu stecken. In der Nähe meiner Heimatstadt Minden erkundigte er sich zum Beispiel auf einem Campingplatz nach einem Stellplatz und bekam schließlich vom Eigentümer zu hören: „Ja, wie soll ich sagen. Das ist die Hautfarbe, ob man eben schwarz ist oder weiß. Die [anderen] werden immer einen Bogen um Sie machen.“

Als besonders unangenehm empfand Wallraff diejenigen, die den Rassismus als „ideologisches Klebemittel“ brauchen, um sich ihrer nationalen Identität zu versichern – und das sind nicht wenige. So zitiert Wallraff eine Untersuchung des Soziologen Wilhelm Heitmeyer, nach der rund ein Drittel der Deutschen rassistische Vorurteile pflegten. In einem Interview, das ich vor gut zwei Jahren mit Heitmeyer führte, betonte dieser, dass fremdenfeindliche Gewalttaten zwar meist von Jüngeren begangen würden. Die feindseligen Einstellungsmuster seien aber eher „hinter den Gardinen“ vorhanden. Diese lieferten die Legitimation für aggressives Verhalten.

Wallraffs Blick hinter diese Gardinen ist – drei Jahre nachdem „die Welt zu Gast bei Freunden“ war – sicher nicht angenehm, aber es ist wichtig, dass er ihn gewagt hat.

Updates:

22.10.2009:

Günter Wallraff kommt am Donnerstag, den 05.11.2009 um 20 Uhr zur Hamburger Premiere ins Abaton.

01.11.2009:

Wie das Mindener Tageblatt berichtete, behauptet der Besitzer des Campingplatzes, Wallraff habe die Zitate aus dem Zusammenhang gerissen. Wallraff bezeichnete dies als eine “absolute Lüge”.

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