Zwischen No-go-Area und Comfort Zone
Gestern feierte Günter Wallraffs Film „Schwarz auf Weiß“ in Hamburg Premiere. Meine Hochachtung für Wallraff bleibt ungebrochen – auch wenn der Film durch einige Szenen an Aussagekraft einbüßt.
Es gibt Rassisten in Deutschland. Das weiß jeder. Doch dass es nicht immer die kahlgeschorenen, springerbestiefelten und bomberbejackten Vollidioten sind, wird gerne verdrängt. Wallraff lässt uns das in seinem Film nicht durchgehen. Gnadenlos führt er den Zuschauern den alltäglichen, „ganz normalen“ Rassismus in Deutschland vor Augen: sei es den offenen Rassismus pöbelnder Hooligans oder den latenten Rassismus schweigender Mitmenschen. Obwohl ich solche Szenen erwartet hatte, fiel mir an manchen Stellen dann doch die Kinnlade herunter, z.B. als ein oberbayrischer Beamter damit droht, die Polizei zu rufen, obwohl Wallraff lediglich um eine Auskunft gebeten hatte.
Angesichts dessen mag es überraschen, dass an einigen Stellen auch gelacht wurde. In der anschließenden Fragerunde mit Günter Wallraff zeigte sich eine schwarze Zuschauerin dann auch entsprechend schockiert. Viele im Publik – darunter auch ich – fühlten sich ertappt. Darf man in einem Film wie „Schwarz auf Weiß“ lachen? Ich finde, man darf. Denn schließlich wurde nie über den dunkelhäutigen Menschen gelacht, den Wallraff verkörperte. Es war schlichtweg die Absurdität einiger Szenen, die einen ungläubig lachen ließ. Etwa als Wallraff seinen Hund bei einer Hundeschule anmelden möchte und gesagt bekommt, dass der Jahresbeitrag 300 Euro betrage und man ohnehin gerade Aufnahmestopp habe. Denn kurz darauf wird eine weiße Hundebesitzerin fast schon mit Kusshand aufgenommen – für 65 Euro im Jahr versteht sich.
Wallraff zeigt aber auch Menschen, die ihn freundlich behandeln, ihm helfen und in Schutz nehmen. Der Film hätte damit eine anschauliche Mini-Sozialstudie werde können – sieht man einmal davon ab, dass der fast durchgängige Einsatz von Miniaturkameras eine visuelle Zumutung ist. Doch leider beeinträchtigen einige Szenen nachhaltig den Gesamteindruck. Bei mehreren Gelegenheiten spielt Wallraff nämlich nicht einen Schwarzen, sondern (wohl ungewollt) einen komischen Kauz, der zufällig schwarz ist. So kommt er manchmal fremden Menschen sehr nah, z.B. wenn er mit Volksfestbesuchern mitschunkeln will oder sich (wenn ich mich richtig erinnere) ungefragt zu einem Rentnerpärchen auf die Parkbank setzt. Dass diese Menschen dann abweisend reagieren, kann doch einfach daran liegen, dass Wallraff ihnen zu sehr auf die Pelle rückt und dadruch ihre „comfort zone“ verletzt. Rassistische Motive müssen dabei nicht zwangsläufig eine Rolle gespielt haben. Hier bleibt der Film in meinen Augen zu diffus. Als Journalist hätte Wallraff nachhaken müssen, um herauszufinden, warum einige Leute ablehnend reagiert haben.
Gelegenheit dazu wird er haben. Bereits nach der Premiere kündigte er eine Fortsetzung an.







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