Winter in Hamburg
Am vergangenen Wochenende zog es etwa 75.000 Besucher auf das Eis der Außenalster. Wer noch nicht da war, kann sich hier ein paar Bilder anschauen.
Am vergangenen Wochenende zog es etwa 75.000 Besucher auf das Eis der Außenalster. Wer noch nicht da war, kann sich hier ein paar Bilder anschauen.
Gestern feierte Günter Wallraffs Film „Schwarz auf Weiß“ in Hamburg Premiere. Meine Hochachtung für Wallraff bleibt ungebrochen – auch wenn der Film durch einige Szenen an Aussagekraft einbüßt.
Es gibt Rassisten in Deutschland. Das weiß jeder. Doch dass es nicht immer die kahlgeschorenen, springerbestiefelten und bomberbejackten Vollidioten sind, wird gerne verdrängt. Wallraff lässt uns das in seinem Film nicht durchgehen. Gnadenlos führt er den Zuschauern den alltäglichen, „ganz normalen“ Rassismus in Deutschland vor Augen: sei es den offenen Rassismus pöbelnder Hooligans oder den latenten Rassismus schweigender Mitmenschen. Obwohl ich solche Szenen erwartet hatte, fiel mir an manchen Stellen dann doch die Kinnlade herunter, z.B. als ein oberbayrischer Beamter damit droht, die Polizei zu rufen, obwohl Wallraff lediglich um eine Auskunft gebeten hatte.
Angesichts dessen mag es überraschen, dass an einigen Stellen auch gelacht wurde. In der anschließenden Fragerunde mit Günter Wallraff zeigte sich eine schwarze Zuschauerin dann auch entsprechend schockiert. Viele im Publik – darunter auch ich – fühlten sich ertappt. Darf man in einem Film wie „Schwarz auf Weiß“ lachen? Ich finde, man darf. Denn schließlich wurde nie über den dunkelhäutigen Menschen gelacht, den Wallraff verkörperte. Es war schlichtweg die Absurdität einiger Szenen, die einen ungläubig lachen ließ. Etwa als Wallraff seinen Hund bei einer Hundeschule anmelden möchte und gesagt bekommt, dass der Jahresbeitrag 300 Euro betrage und man ohnehin gerade Aufnahmestopp habe. Denn kurz darauf wird eine weiße Hundebesitzerin fast schon mit Kusshand aufgenommen – für 65 Euro im Jahr versteht sich.
Wallraff zeigt aber auch Menschen, die ihn freundlich behandeln, ihm helfen und in Schutz nehmen. Der Film hätte damit eine anschauliche Mini-Sozialstudie werde können – sieht man einmal davon ab, dass der fast durchgängige Einsatz von Miniaturkameras eine visuelle Zumutung ist. Doch leider beeinträchtigen einige Szenen nachhaltig den Gesamteindruck. Bei mehreren Gelegenheiten spielt Wallraff nämlich nicht einen Schwarzen, sondern (wohl ungewollt) einen komischen Kauz, der zufällig schwarz ist. So kommt er manchmal fremden Menschen sehr nah, z.B. wenn er mit Volksfestbesuchern mitschunkeln will oder sich (wenn ich mich richtig erinnere) ungefragt zu einem Rentnerpärchen auf die Parkbank setzt. Dass diese Menschen dann abweisend reagieren, kann doch einfach daran liegen, dass Wallraff ihnen zu sehr auf die Pelle rückt und dadruch ihre „comfort zone“ verletzt. Rassistische Motive müssen dabei nicht zwangsläufig eine Rolle gespielt haben. Hier bleibt der Film in meinen Augen zu diffus. Als Journalist hätte Wallraff nachhaken müssen, um herauszufinden, warum einige Leute ablehnend reagiert haben.
Gelegenheit dazu wird er haben. Bereits nach der Premiere kündigte er eine Fortsetzung an.
Das Hamburger Abendblatt berichtete heute auf seiner Website über das neue Fahrrad-Leihsystem (kurz StadtRAD). Anlass war die Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Klaus-Peter Hesse (CDU) vom 24.08.2009. Dieser wollte unter anderem wissen, wo denn in Zukunft neue Ausleihstationen entstehen sollen. „Interessant“, dachte ich mir, schließlich leihe ich mir selbst gerne ab und an mal ein StadtRAD aus. Ein toller Service des Hamburger Abendblatts also, schon einmal die geplanten Stationen aufzulisten. Denkste!
Statt einfach die in der Drucksache veröffentlichte Liste zu kopieren und einzufügen oder (noch besser) die Stationen auf einem Stadtplan einzuzeichnen, entschied man sich in der Online-Redaktion für eine andere Darstellungsform: die Klickstrecke. Um zu erfahren, wo man sich in Zukunft sein StadtRAD ausleihen kann, muss man sich also Station für Station durch die Liste klicken.

Typische Klickstrecke auf abendblatt.de
Dass das unglaublich nutzerunfreundlich ist, scheint beim Abendblatt niemanden zu interessieren. Warum auch. Jeder Klick beschert einer Website in der Regel eine neue „Pageimpression“. Das kann nicht nur das eigene Ranking in Suchmaschinen positiv beeinflussen, sondern auch zu höheren Werbeerlösen führen (weitere Informationen dazu hier). Was ich mich jetzt frage: Durchschauen das die Werbekunden nicht?
Hier übrigens die Liste der geplanten StadtRAD-Stationen nebst Stadtplan. Gern geschehen.
Jetzt aber schnell! Noch bis zum 23. August kann man im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg die Ausstellung “Loriot – Die Hommage” besuchen. Zwar war ich als großer Fan der Loriot-Filme zunächst etwas enttäuscht, dass der Schwerpunkt der Ausstellung auf den Zeichnungen von Vicco von Bülow liegt, doch habe mich schnell eines besseren belehren lassen. Loriot schaffe es, seine klugen Beobachtungen mit scheinbar einfachen Strichen genial umzusetzen. Mein Urteil: Absolut sehenswert.
Museum für Kunst und GewerbeSie soll Hamburgs neues Wahrzeichen werden: die Elbphilharmonie. Auf dem alten Kaispeicher A in der HafenCity entsteht eine futuristische Konstruktion aus Glas und Beton. Seit der Grundsteinlegung im April 2007 sind die Kosten des Prestigebaus für die Öffentliche Hand förmlich explodiert und belaufen sich auf 323 Millionen Euro. Außerdem wurde der Eröffnungstermin mehrfach verschoben. Das Gebäude wird wohl erst 2012 offiziell seiner Bestimmung übergeben.
Wer nicht so lange warten möchte, hat jeden Sonntag die Möglichkeit, an einer kostenlosen Besichtigungstour durch die Baustelle teilzunehmen. Anmelden kann man sich zur stündlich beginnenden Tour im Elbphilharmonie-Pavillon an den Magellan-Terrassen.
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